Mit freundlicher Genehmigung des Autors
Deutsche Übersetzung: Das Paradox unsichtbarer Behinderungen ist ein grausamer und erschöpfender Kreislauf. Die Gesellschaft erwartet von mir, meinen Autismus zu verbergen, mich anzupassen, niemanden zu verunsichern und ein Spiel mitzuspielen, das allem widerspricht, wofür ich stehe. Belohnt werde ich dann, wenn ich meine Eigenheiten unterdrücke, wenn ich den Mantel der „Normalität“ anziehe und so tue, als ob sensorische Überlastung sich nicht anfühlen würde, als ob mein Gehirn brenne und elektrische Ströme durch meine Haut fliessen.
Man nennt mich „hochfunktional“, „inspirierend“, „nicht wie die anderen“ – als ob das ein Kompliment wäre. Als ob meine Fähigkeit, still zu leiden, meinen Wert erhöhe. Und ja, in den Augen der Gesellschaft macht es mich tatsächlich „wertvoller“. Denn sie ist nicht bereit für meinen Autismus. Sie ist nicht bereit für die echte Verletzlichkeit, die intensiven Zusammenbrüche oder die unverstellte Authentizität.
Doch sobald ich Unterstützung brauche, fällt mir die Maske auf die Füsse. Plötzlich begegne ich Misstrauen: „Du siehst gar nicht behindert aus.“ – „Du wirkst völlig normal.“ – „Brauchst du das wirklich?“ – „Na, dir muss es doch gut gehen, schau mal, wie weit du schon gekommen bist!“ Viele Menschen richten ihren Blick lieber auf das, was ich leisten kann, statt auf das, was ich nicht kann.
Dieser Widerspruch hält mich in einem unmöglichen Raum gefangen. Zeige ich meinen Kampf, grenzt mich die Gesellschaft aus. Dann bin ich „zu viel“, „unprofessionell“ oder „instabil“. Suche ich professionelle Hilfe und schildere meine Schwierigkeiten, heisst es, ich würde „übertreiben“, „zu sensibel sein“, „katastrophisieren“ oder sei „nicht behindert genug“. Ganz gleich, was ich tue – ich verliere.
Es ist ein brutales Dilemma: Um Unterstützung zu erhalten, muss ich meinen Schmerz offenlegen. Um gesellschaftlich akzeptiert zu werden, muss ich ihn hingegen verbergen. Ich soll gleichzeitig unsichtbar und sichtbar sein. Verschwinden – und doch beweisen, dass ich existiere.
Diese Heuchelei reisst in mir einen tiefen inneren Konflikt auf. Jeden Tag stehe ich vor der Wahl: Offenbare ich meine Wahrheit und riskiere Ablehnung? Oder verschweige ich sie und riskiere, ausgelöscht zu werden?
Es ist eine unsichtbare psychische Last, für die meisten nicht wahrnehmbar, für jene, die damit leben, jedoch alles verzehrend. Die Welt sieht meine Erfolge, aber nicht den Zusammenbruch danach. Sie hört meine Stimme auf der Bühne, aber nicht die Spirale davor. Und wenn ich unter der Last all dessen zusammenbreche, höre ich nur: „Was ist passiert? Du warst doch so erfolgreich.“